Buenos Aires – muy bueno!

Nach dem ersten Hostelfail war ich bereits ein bisschen gestresst aber trotzdem gewillt mein perfektes Zuhause für die nächsten 2 Wochen zu finden, um meinen Spanischkurs am Morgen voll ausschöpfen zu können. So blieb ich die ersten 4 Nächte jedes Mal an einem anderem Ort: Durch Zufall lud mich ein netter Russe ein mit ihm und 10 anderen Reisenden in einer spendenfinanzierten, privaten Unterkunft zu bleiben. Eine Wohnung mitten in BA, wo ich vergebens versuchte mit 8 anderen Leuten in einem Raum ruhigen Schlaf zu finden. Der Straßenlärm war zu laut.

Endlich kam ich im Rock and Brewery Hostel unter und verbrachte eine wunderbare Zeit mit den dort Arbeitenden, Lebenden und Reisenden – wir wurden zu einer kleinen Hostelfamilie. Ich lernte Spanisch, schländerte über den riesigen Sonntagsmarkt in San Telmo und über den beeindruckenden Friedhof Ricoletta, erlernte Tango-Grundschritte, tanzte zur wöchentlichen Trommelshow „La Bomba“ und erhielt am letzten Wochenende ein lang ersehntes Tattoo.

Buenos Aires ist eine riesige Stadt und man braucht ein zwei Tage, um sich dem Flow anzupassen. Wenn einem das gelingt, hat man eine tolle Zeit.

tourist-stuff and illegal immigration

Colonia del Sacramento ist eines der süßesten Städtchen, durch dessen Gässchen ich je spaziert bin und erinnert an Orte in Südfrankreich. Jedes schmale Häuschen eine andere Farbe, Kopfsteinpflaster, Blumen, alte Autos und hier und da Plastikstühle und Schirme. Auch hier hat man manchmal Probleme mit Stilorientierung und bisher fehlte es auch den schönsten Hostels oft noch an authentischer Liebe zum Detail. Plastik ist hier überall involviert und Nutzräume wie Küche/Bad sind zweckfokusiert schlicht gehalten. Trotzdem konnte ich mich überall wohl fühlen.

Am Abend wollte ich mit der Fähre nach Buenos Aires, stand nichts ahnend am Pier und mir wurde gesagt, dass mir der Einwanderungsstempel im Pass fehle. Ich war „illegal eingewandert“ und durfte 35€ zahlen – fühlte sich nicht so schön an aber die Grenzbeamte waren freundlich. An der Grenze von Brasilien nach Uruguay hatte ich zwar meinen Exitstempel erhalten, aber der für Uruguay wurde vergessen.

water and wine

Can’t see any difference..

Meine Wasseraffinität ließ nicht zu, dass ich das Angebot von Aapo und Reed, nach Salto zu den Hotsprings nach zureisen, hätte ausschlagen können. Nach einem gemütlichen Abend mit Dinner, Wein und seelenergreifenden Konversationen, genossen wir den kühlen Regen auf unserer Haut, während wir in den Becken der heißen Quellen saßen. Anderes hatte die Stadt nicht zu bieten. Nur einen Zoo mit in kleinen, schmutzigen Käfigen, leidenden Tieren und müllverseuchte Bäche. Weiter nach Colonia del Sacramento, ein weiterer Abschied von den Jungs.

It’s legalized.

Reunited im Altstadthostel in Montevideo. Wir genossen den Sonnenuntergang am Fischerpier und veranstalteten eine kleine Privatparty in unserem Hostelzimmer. Unseren Hangovertag füllten wir mit einem Besuch im Weedmuseum, wo man während der Führung mit einem Joint versorgt wird. In Uruguay ist Gras legalisiert und ich bemerke immer mehr, was für ein wundervolles Volk die Uruguayer doch sind. Zivilisiert, gebildet, fortschrittlich und herzlich. Ich fühlte mich sehr wohl hier.

Punta del Este – nothing special.

Gott sei Dank wurde mein Spanischkurs, den ich hier für zwei Wochen angefragt hatte, gecancelt. Die Stadt hatte nichts zu bieten, denn gerade war die Highseason geendet und damit alle Veranstaltungen in der Stadt eingestellt. Wir hatten in unserer 4er Gruppe trotzdem Spaß mit Airhockey, Wein und einer kleinen Bar mit uruguayischer Tanzmusik.

Aapo und ich blieben einen weiteren Tag und hitchhikten uns dann nach Montevideo durch, was uns 2 Rides und jeweils 4 Minuten Warten kostete. Wir lernten einen homöopathisch arbeitenden Doktor und einen Orthopäden kennen und fuhren eine idyllische Strecke am Meer entlang in die entspannte Hauptstadt Uruguays.

Punta del Diablo – heavenly nice.

Ich stieg aus dem Bus aus und fand mich in einem ursprünglichen Fischerdorf wieder. Stille, Wind, Sonne und ab und an Pferde. Verzaubert lief ich die rechteckig angelegten Häuseransammlungen entlang und fand mich im zuerst erbauten Hostel des Ortes wieder. Zimmer direkt am Strand, einfaches aber gutes Frühstück und die herzlichste Mischung an Menschen. Ein Schwede kam um 2 Nächte zu urlauben, blieb 3 Monate und fand die Liebe seines Lebens. Eine Französin aus Berlin fing hier spontan an zu arbeiten. Ein Argentinier schrieb hier sein bestes eigenes Lied und sang es für uns. Schnell kristallisierte sich unsere Kerngruppe heraus: Wir nennen uns die „7 blue Steaks“ und bestehen aus mir (liebevoll „the german“ genannt), „Weed“ (Reed, einem US-Amerikaner aus Ohaio), „the finnish line“ (Aapo aus Finnland) und „the mayor“ (Gabriel aus Brasilien).

Wir hatten wunderbare, lustige Konversationen ohne Ende, Yoga am Strand, Spaziergänge und alles was das Chillerherz begehrt.

Wir beschlossen zu dritt in die nächste Stadt zu trampen und hatten nach 1,5 Stunden auch endlich Erfolg. Das Warten hatte sich gelohnt denn unser braungebrannter, uruguayischer Fahrer erzählte uns in einfachem, hier und da mit englischen Wörtern verfeinertem Spanisch von allem was ihm in denn Sinn kam. Auf dem Weg zu einem Basketballspiel seines Sohnes hatte er genug Platz für 3 von uns und ich hatte eine erste erfüllende Trampingerfahrung in Südamerika.

Don’t worry, I’m fine.

Porto Alegre – schön, gefährlich

Niemand spricht Englisch, der nicht in der Touristenbranche tätig ist. Das musste ich lernen, als ich um 22 Uhr in Porto Alegre landete und versuchte den richtigen Bus zu meinem Hostel zu erwischen. Mit meiner besonders ausdrucksstarken Körpersprache gelang es mir aber dem Busfahrer und Kassierer, der in der Mitte des Busses trohnt, klar zu machen, dass ich ein verlorener Tourist bin. Glücklicherweise freuten diese sich mir zu helfen und diskutierten die ganze Fahrt über, wie und wo ich am besten aussteigen sollte. Einen letzten Rat erhielt ich vom lustigen Duo: Handy verstecken, schnurstracks zum Hostel. Später erfuhr ich von einem Brasilianer wieso: Wenn es dunkel wird, wird die Stadt gefährlich. Die immer eingezäunten und Passwort gesicherten Hauseingänge stützten das Bild.

Karim, ein tunesianischer Lehrer brachte mir ein bisschen Arabisch bei und ich ihm Deutsch. Streichholzschächtelchen. Er war begeistert und lernte schnell.

Die unspektakuläre aber wunderschön naturerschlossene Stadt Porto Alegre ließ ich schnell hinter mir und fand einen der wundervollsten Plätze, die ich je besuchte…