the dark side of the chocolate

Die einzige Sorge, die mich ab und an „quälte“ war die, den Nachtbus ins nächste Abenteuer zu verpassen. Sonst schaute ich unbeschwert dem Tag entgegen, dachte vielleicht ab und an einen viertel Schritt voraus und lebte in SlowMotion, wie ich es mir immer erträume. Wenn Zuhause die Bildschirme von allen Seiten, Frame um Frame, innerhalb von Sekunden auf dich einprasseln, kann sich ein Moment auf einem einsamen Fleckchen Natur in den peruanischen Bergen wie eine eingefrorene Ewigkeit anfühlen (dieses Gefühlsphänomen wird gerne auch als „Freiheit“ bezeichnet).

Eingebettet in meine Blase aus Glückseligkeit, sah ich aus dem Busfenster dem Alltag zu: dampfende Essensstände entlang jeder Straße, schreiende Verkäufer halten Kokoswasser und Süßigkeiten zwischen den stehenden Autos in die Luft, ein ölverschmierter Mechaniker schraubt an einem Taxi, daneben spielt ein barfüßiger Junge mit einem abgemagerten Straßenhund im Dreck. Touristen sind hier wie Goldesel. Der Versuch jedem Passanten ein Wenig Kleingeld abzuringen scheint nur durch das Andrehen von Konsumgütern bewerkstelligt werden zu können. Schokoriegel, glitzernde Anhänger, Mützen, Kaugummi, Gebäck und andere unnötige Dinge strecken die Straßenverkäufer konkurrierend um die lauteste Stimme nach oben. Manchmal etwas ohrenbetäubend aber sie versuchen nichts anderes als zu überleben – wie wir alle. Denn jedes Mal wenn wir ignorant oder nichtsahnend in einen Nestle-Riegel beißen, leidet auf der anderen Seite ein Kind.

Der eine Dollar, den ich täglich an einen Bettler abdrückte, mag klein und machtlos in meiner Hand erscheinen, in einer anderen kann er nähren, unterstützen, retten. Jedes „no gracias, no necesito una bolsita“ (nein Danke, ich brauch keine Plastiktüte), jeder Dollar im Becher eines Blinden, jeder Kauf einer Mandarine beim Händler statt im Laden, jedes Herzenslächeln ist wertvoll.

Ein Lächeln nehme ich auch mit zurück nach Deutschland, denn der Heimflug steht an (28.06 bin ich zurück!).

(Achja! Ecuador war sehr schön, am Strand etwas wolkenbedeckt, die Hauptstadt Quito aber überraschend wohltuend. Die letzten 2 Wochen rasten vorbei. Ich genoss zusammen mit der liebenswerten Österreicherin Berni ein letztes Mal das Bummeln durch einen der vielen Märkte und blickte den letzten Augenblicken in Südamerika und der noch etwas unwirklich erscheinenden Heimreise entgegen.)

P.S.: Ich mag jetzt Oliven!!!

Up on Machu Picchu Hill there’s a lonely tree…

Was willst du denn mal werden, wenn du groß bist?

Endlich kann ich diese Frage beantworten: Gärtner auf dem Machu Picchu.

Der Salkantaytrek: Es ist Trockenzeit in Peru, meine Sneaker werden als Wanderschuhe ausreichen – dachte ich und wurde am ersten Tag von Regengeräuschen geweckt, die unser ständiger Begleiter der nächsten 3 Tage wurden. Mit zwei Plastiktüten an den Füßen wagte ich mich aber doch auf den Weg und vergaß bald die Sorgen um trockene Socken. Wir (12 Trekkingbegeisterte, unser Guide und ich) starteten zwischen Blümchen, glitzernden Bächen und grünen Bergketten und stiefelten stetig bergauf, bis plötzlich ein eisiger Gebirgssee halbverschneit vor uns wie in einer riesigen, weißen Schüssel ruhte. Die Gebirgswand ringsherum verschmolz mit dem Weiß des schweren Himmels, Schneeregen rieselte uns ins Gesicht und wir schauten schnaufend unseren Atemwolken hinterher – so ein Anblick bringt jeden Gedankenstrom zum Ruhen.

Unsere Schneewanderung setzten wir am nächsten „Morgen“ um 5 Uhr fort. Nach 4 Stunden mehr Klettern als Wandern, akzeptierte ich das nicht ganz so rosige Schicksal meiner Schuhe und stampfte voll enthusiastisch durch den Schneematsch den Pferden hinterher. Als Pferdegöttin Epona fühlte ich mich ihnen verpflichtet und zugehörig und leidete mit ihnen, wenn ich sie unter der Anstregung des Aufstiegs und des Gewichts der Touris und ihrer Rucksäcke schnauben sah. Nachdem Salkantay, der höchste Punkt von 4.630m überwunden war, ging es bergab Richtung Station Mittagessen. Jeder nächse Schritt führte uns in wärmere Gefilde – das ewige Weiß wurde von Farbklecksen der Natur unterbrochen, erste Blumen, bunte Steine und schließich grüne Wiesen erwarteten uns. Ein paradoxes Gefühl am Nachmittag beim Maracuya-Essen im Schatten der Avocadobäume von Mosquitos gestochen zu werden, während die Schuhe noch nass vom Schnee am Morgen sind.

Die letzten zwei Tage kamen uns mit jeweils 12km und 16km wie ein Spaziergängchen vor, zumal wir mit den wärmenden Gewässern von heißen Quellen am Abend belohnt wurden und der nächste Tag mit einer Runde Ziplining durch ein von der Sonne durchflutetes Tal begann.

Der letzte Tag: Machu Picchu wartete auf uns und unsere gezückten Kameras. Den letzten schmerzvollen Aufstieg von 1.873 Treppenstufen (ja ich habe sie gezählt) zum Machu Picchu meisterten nicht mehr alle aus unserer Wandergruppe, manche nahmen den Bus. Endlich erbot sich das 7. Weltwunder meinem Blick und alles was mein von 4 Tage Trekking und Frühauftsehen übermüdetes Gehirn überwältigt vom Anblick des Machu Picchu noch von sich geben konnte, ist dieses „Gedicht“.

„Wenn Kameras schweigen und Llamas blüh’n

Die Sonne tröpfelt und das Gras zerfließt

Sich Gedanken verzweigen wie ewiges Grün

Dann ist es Machu Picchu, der sich den Himmel erschließt.“

(Alle anderen Worte, um Machu Picchu zu beschreiben, wären auch völlig zweckfrei und könnten dem Ganzen sowieso nicht gerecht werden. Zu sagen ist nur, dass es sich lohnt den einsamen Baum in der Mitte auf Machu Picchu zu besuchen, der dort 1980 gepflanzt wurde. Mit den Llamas zusammen, die auf den Terrassen grasen, ergibt sich ein stimmiges Bild – man fühlt sich wie bei Tante Emma auf dem Ferienhof und möchte direkt mit dem Gärtnern anfangen.)

Arkana: Ich hatte nicht genug vom unausprechlich angenehmen Gefühl nasser Socken, sodass ich mich auf das Arkanafestival im Heiligen Tal begab, für das Dauerregen als Gast gemeldet wurde. Irgendwann kam mir die Erleuchtung: Wer keine Socken hat, dem können sie auch nicht nass werden – so verabschiedete ich mich für den Rest des Wochenendes von meinen Schuhen und tanzte im Matsch des Heiligen Tals der Inkas zu feinster Psytrance-Musik.

Um meinen Füßen den letzten zwei Wochen meiner Reise die Aridität als Gefühl wieder näher zu bringen, setzte ich mich 48h in den Bus Richtung Äquator, wo die Sonne scheint und verließ Peru: Ecuador, die letzte Station meiner Reise…